Montag, 23. März 2009

Go Lions, Go!

Am Samstag hatte ich die große Ehre, ein Rugbyspiel mitzuerleben. Allerdings war das nicht irgendein Rugbyspiel, sondern die Joburg Lions gegen die australischen Brumbies (oder so geschrieben). Und das ganze fand auch nicht irgendwo statt, sondern im Ellis Park Stadion. Jeder, der sich auf die nächste Fußball WM freut: Hier findet nächstes Jahr das Halbfinale statt!! Also echt schon vorab eine coole Kulisse, allerdings wird an vielen Ecken und Enden noch gebaut.



Schalk (gesprochen: Skalk), den wir vor ein paar Wochen hier kennen gelernt haben und der auch an unserem Campus studiert, hat uns mit hingenommen. Zum Glück! Denn so hatten wir jemanden, der uns die Regeln erklärt... So ganz verstanden habe ich das Spiel zwar noch nicht, aber ich muss doch sagen: Rugbymänner sehen verdammt gut aus!! Bei dem Spiel kommt es nämlich nicht so sehr auf Geschwindigkeit, dafür aber viel mehr auf Kraft (und somit auf Muskelmasse!) an. Sehr interessant ist es, „Scrumbing" anzuschauen: 16 Männer, die sich gegenseitig angreifen und den Ball für ihre Mannschaft versuchen unter sich durchzuspielen. Für weitere Spielregeln möchte ich an dieser Stelle allerdings auf Wikipedia und co verweisen ;)

Was sehr auffällig für Rugby ist: Es ist ein totaler „weissen" Sport. Ich habe bis auf die Eis und Biltong Verkäufer fast keine Schwarzen im ganzen Stadion geschaut. So kam es dann auch zu einem dummen Missverständnis: Ein Typ setzte sich neben Schalk, hat mit ihm Afrikaans geredet. Ich habe natürlich interessiert versucht etwas zu verstehen (Afrikaans hört sich für uns echt lustig an!). Da schaut er mich an und fragt „Do you understand Afrikaans" Ich: „A little bit", er: „Moin moin". Mein norddeutsches Gemüt konnte das gar nicht glauben, dass hier in Südafrika jemand den Ausdruck Moin kennt. Allerdings habe ich dann gedacht, dass Moin ja aus dem Plattdeutschen kommt, was dem holländischen und somit wiederum dem Afrikaans sehr ähnlich ist und fand das, was ich verstanden habe dann doch ganz schlüssig. Somit habe ich diesem Herren ganz stolz erklärt, dass man sich so bei uns zu Hause guten Tag sagt... Nunja, leider lag mein norddeutsches Gemüt da falsch. Er hat nicht „Moin", sondern „mooi" gesagt, was so viel wie „hübsch" heißt. Aber nun gut, ich wollte eh nicht mit dem Typ flirten (nicht nur deutsche biertrinkende Fußballfans sondern auch afrikaans biertrinkende Rugbyfans können echt ekelig sein...)!


Für alle, die jetzt gerade googlen wollen, was Biltong ist: Das ist so was wie der Nationalsnack, also getrocknetes Fleisch (meistens Rind, gibt aber z.B. auch Straußen-Biltong) mit Geschmacksrichtungen wie Chilli, neutral, Lemon... Mein persönlicher Favorit ist es nicht, da ich finde, es schmeckt wie ne Mischung aus Hundefutter und Salami. Aber irgendwas muss ja dran sein an diesen getrockneten Fleischsticks, sonst würden hier nicht alle (inklusive Nico und Alex) verrückt danach sein!

Eine Sache gibt es noch, die ich diesem Beitrag hinzufügen möchte: Wir haben es tatsächlich geschafft nach 7 Wochen in Johannesburg einmal in die Innenstadt zu kommen. Das ist aus dem Grund so verwunderlich, da die Innenstadt einen sehr schlechten, gefährlichen Ruf hat und man als nicht heimischer hier besser nicht hingehen sollte. Schalk liebt diesen Stadtteil aber und um zum Stadion und wieder zurück zu kommen, muss man eben hier durchfahren. Diesen Eindruck möchte ich auch nicht missen!! Ich liebe Großstädte ja so schon, aber die afrikanische Kultur gibt noch ein Plus oben drauf. Aber auch dieser Eindruck hat mich wieder sehr nachdenklich gemacht...

Warum ist die Innenstadt so gefährlich geworden? Nach Ende der Apartheid sind viele Firmen vom Stadtzentrum in die Randgebiete gewandert. Dies hat Arbeitsplätze und Kaufkraft mitgezogen. Irgendwann haben im Zentrum fast nur noch die gelebt, die sich nichts anderes leisten konnten. Die großen Hochhäuser haben heute fast einen Slumps-Status und viele Bettler versuchen ein bisschen Geld oder Lebensmittel an den Ampeln zu bekommen. Hier ist es auch so üblich, wenn man essen war und es nicht aufbekommen hat, den Rest mitzunehmen und auf dem Heimweg denen zu geben, die nicht genug haben. Eine gute und sinnvolle Sache, finde ich!
Viele Häuser standen in den letzten Jahren leer. Mittlerweile versucht die Stadt aber durch erhöhten Polizei- und Kameraeinsatz die Kriminalität (Drogenhandel, Raubüberfälle, Morde...) wieder zu senken.

Um alle zu beruhigen: Ich bin gesund und munter wieder am Campus im Studentenwohnheim angekommen!

1 Kommentar:

  1. ...zum Thema "Moin" und mooi...Moin kommt ursprünglich von "mooin dag", was soviel wie "Schönen Tag" heißt. Mir scheint das da doch Einiges an plattdeutschem /holländischem in der südafrikanischen Sprache steckt :-)
    Ansonsten...schön das du mal wieder Zeit zum bloggen gefunden hast...hab schon sehnsüchtig auf neue Fotos und Berichte gewartet :-)
    Liebe Grüße
    Mama

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